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Unser neuer Liebling: der RapsglanzkäferWenn im Mai der Raps blüht und die Landschaft sich hier in MV so schön gelb zeigt, freuen sich die Menschen. Manche werden noch etwas darüber nachdenken, daß ja hier die neuen nachwachsenden Energien produziert werden, mit denen dann unsere Autos so schön CO2-neutral zu fahren sind. Und die Raps-Öl-Müller verkaufen eben dieses Öl als das beste Speiseöl überhaupt. Es sei sogar besser als das Olivenöl sagen sie. All das ist Quatsch. Sagen wir. Außer, daß die Landschaft wirklich nett aussieht. Würden wir sämtliche landwirtschaftliche Flächen in Europa mit Raps bebauen, würden wir nicht einmal ein Drittel des benötigten Benzinbedarfes decken können. Und die Nahrungsmittel müßten dann importiert werden. Wer mehr zum Thema wissen möchte, dem sei das Deutschlandradio Kultur empfohlen auf der Homepage gibt es einen interessanten Beitrag: Energie frisst Lebensmittel. Mit dem Raps einher geht für uns ein anderes Problem in Form eines kleinen Käfers, des Rapsglanzkäfers. Dieser Käfer ist klein und schwarz und glänzt und es gibt ihn in Massen. Er lebt von den Knospen der Kreuzblütengewächse zu denen der Raps gehört. Weil der Raps durch die Förderprogramme der EU in riesigen Mengen angebaut wird, hat der Käfer jedes Jahr einen riesigen Tisch gedeckt bekommen und kann sich fröhlich vermehren. Bisher haben die Rapsbauern dagegen mit diversen Spritzmittel angekämpft. Allein das ist schon fragwürdig. Die EU möchte aus ökologischen Gründen den Anbau von Energiepflanzen fördern und fördert somit indirekt den massiven Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden... Nun hat sich der Rapsglanzkäfer aber diesem Einsatz von Insektiziden angepaßt und im Jahr 2004 eine Resistenz gegen die herkömmlichen Mittel entwickelt. Durch den Einsatz anderer Spritzmittel kommt der Rapsanbauer mit dieser Resistenz noch zurecht. Diese Mittel haben aber eine deutlich längere Wartezeit, so daß zwischen Ausbringen des Mittels bis zur Ernte bis zu 120 Tagen gewartet werden muß. Im Rapsanbau geht das - zumal dann, wenn er nur für Biodiesel angebaut wird. Der Punkt ist aber, daß der Rapsglanzkäfer auch normales Gemüse (Kohlgemüse) befliegt. Durch die langen Wartezeiten die die neuen Spritzmittel voraussetzen ist also auch im konventionellen Gemüsenbau eine saubere Ernte nicht mehr möglich. 70% der Blumenkohlernte in Mecklenburg-Vorpommern ging auf diese Art in 2007 verloren! Als Biobetrieb müssen wir uns diesem Thema auch stellen. Denn in MV sind mittlerweile 23% der Ackerfläche mit Raps bebaut. Der Käfer fliegt bis zu 14 km weit. Es gibt also keine rapsglanzkäfersicheren Gebiete mehr! Und so ist uns seit dem Jahr 2005 keine Ernte mehr von Radieschenfrüchten mehr gelungen! Diese unreifen Samenschoten vom ganz normalen Radieschen waren aber bis dahin ein viel gefragtes Produkt, welches wir grade erfolgreich eingeführt hatten... Und der Ärger geht weiter: wenn der Raps verblüht ist, stürzt sich der Käfer auf alles, was bunt blüht. Unsere essbaren Blüten liefern wir seit dem also ungewollt mit Fleischbeilage. Auch wenn wir keine Vegetarier sind: schön finden wir das nicht. Und unsere Kunden auch nicht. Was tun? Ab nächstem Jahr werden wir unsere Kulturen mit Schutznetzen versehen. Die EU fördert also auch die Kulturschutznetzindustrie! Schön für sie.
Olaf Schnelle im Juli 2007
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