Nun ist das neue Jahr erst wenige Tage alt, aber mit dem „Nacktscanner“ haben wir bereits jetzt einen heißen Favoriten auf das Unwort des Jahres 2010. „Abwrackprämie“, dass ich nicht lache!-und wer erinnert sich noch an die „Schweinegrippe“ oder gar an „sozialverträgliches Ableben“?
Von der Sache her, ist jedoch nicht nachzuvollziehen, wieso sich Leute wie Peter Schaar und Sigmar Gabriel derart echauffieren, dass unsere Flughäfen mit diesen bei näherer Betrachtung außerordentlich praktischen Geräten ausgerüstet werden sollen. Im Fall Gabriels kann man ja noch verstehen, dass er nicht nackt betrachtet werden möchte, aber ansonsten scheint mir die Kritik erheblich überzogen.
Auf der Sollseite des Nacktscanners lassen sich unbestreitbar etliche Fakten anführen, welche die vermeintlichen Nachteile beiweiten aufheben. Zum Beispiel die soziale Aufwertung des Kontrollpersonals in abendlichen Stammtischrunden! Sie wäre ungeheuer und würde den sozialen Status einer ganzen, zurzeit eher scheel angesehenen Bevölkerungsgruppe, signifikant anheben. Heerscharen von Exhibitionisten würden die Umsätze maroder, praktisch am Boden liegender Airlines explosionsartig steigen lassen. Selbst Alitalia hätte wieder eine Chance wirtschaftlich zu reüssieren, vor allen Dingen nachdem durchgesickert ist, dass Berlusconi persönlich sich dafür einsetzt, jeden Platz seiner Maschinen mit einem Nacktscanner ausrüsten zu lassen.
Die bisher angeführten Nachteile des Nacktscanners, scheinen mir auf jeden Fall reichlich an den Haaren herbei gezogen zu sein. Die gelegentliche Verwechslung eines Rheuma-Pflasters mit aufgeklebtem Plastiksprengstoff ist zu verschmerzen, selbst wenn dies zunächst einmal eine einwöchige Sicherheitsverwahrung und lebenslängliches Einreiseverbot in die USA zur Folge hat. NY ist eh nicht mehr so toll und auf Einzelschicksale kann man bei Fragen der nationalen Sicherheit nun einmal nur begrenzt Rücksicht nehmen.
Die angeheizte Nacktscanner-Phobie könnte in einem Punkt jedoch auch ihr Gutes haben. Aber nur, wenn man erwarten dürfte, dass die um Herrn Gabriel versammelte Stänker-Gilde ihre Postulate selbst einmal ernst nehmen und diese nicht immer nur „den Anderen“ zugedacht würden. Alle Teilnehmer des nächsten Klimagipfels fahren mit dem Fahrrad nach Kopenhagen! Jawohl, auch und erst recht Sigmar Gabriel!Niemand verlangt ja schließlich, dass sich jemand nacktscannen lässt, bevor er einen Drahtesel besteigt! Nicht nur, dass die Herrschaften ohne Belästigung ihr Heuhotel erreichen, sie könnten so auch glaubhaft belegen, dass man es mit der Emissionsreduktion tatsächlich ernst meint. Mutti Merkel hätte reichlich Ticketkosten gespart und ein paar Millionen frei, die sie Herrn Ackermann & Co, systemerhaltend in den Hintern stecken kann. Alles dank Nacktscannern!
Man sollte sich gegen den main stream einen klaren Blick für die Fakten erhalten. Dass die Einsatzmöglichkeiten von Nacktscannern weit darüber hinausgehen, mit Sprengstoff behangene Muselmänner am betreten teuren Fluggeräts zu hindern, liegt auf der Hand.
Hätte Kurt Westergaart beispielsweise ein solches Gerät im Flur seiner Kopenhagener 3-Zimmerwohnung, oder noch besser als Tür-Spion installiert, hätte er sich in aller Muße der zeichnerischen Darstellung des Propheten widmen können. Sähe er doch gleich, wenn Besuch kommt: ‚Oh, der Pizzabote verbirgt ein Beil im Hosenbein’ und könnte gelassen geeignete Gegenmaßnahmen einleiten, die den Unhold an der Ausübung seiner Tat hindern. Solche Tür-Spione wären doch wirklich was Praktisches und für den Besuch von Tante Frida kann man ja immer noch einen „Not-aus“-Schalter installieren.
Anscheinend ist auch noch niemand darauf gekommen -wir gelangen nun zu meiner Kernbotschaft- welch ein Segen die Installation eines Nacktscanners im Eingangsbereich eines Restaurants bedeuten würde.
Man könnte offensichtlich klamme Zeitgenossen bereits vor dem Betreten des Speiseraums abgreifen, datentechnisch erfassen und entfernen sowie dürren Menschen, deren Figur auf schlechten Umsatz schließen lassen, den Zutritt verweigern, bevor sie sich durch Sprüche wie“ für mich nur was kleines Leichtes“ selber entlarven. Sitzen solche Individuen erst einmal, ist es für dezente Gegenmaßnahmen meistens zu spät.
Aber auch die Service-Qualität könnte dank Nacktscanner zu neuen Höhen aufschwingen. Liebe Stammgäste könnte man auf das Holpern des betagten Herzschrittmachers hinweisen und somit dräuendem Herz-Kasper zuvor kommen. Man hätte die Gelegenheit Gästen vom Verzehr der Ente mit Rotkohl und Klößen abzuraten, weil man gerade ein paar formidable Gallensteine entdeckt hat, für die solche Kost von Übel ist. Klientel mit geschwollener Leber wäre der Verzehr von Staatlich Fachinger auf der Basis fundierter Argumentation anzuraten. Liegt die Hälfte der Gästekartei erstmal auf dem Friedhof oder in der Reha, ist das für den Umsatz schließlich nicht gut.
Menschen wie Lafer und Schuhbeck würden sicher alsbald auf den Trichter kommen, dem geneigten Gast noch ein paar passende Pillen und Tröpfchen zu verhökern, die ihnen den schmerzfreien Verzehr von foie gras und butterhaltigen Saucen problemlos erlaubt. Selbst wenn man solche Auswüchse der Gier verabscheuen mag: Customer retention und Mehrwert durch Nacktscannen! Das ist die Perspektive für eine gebeutelte Branche!
Aber auch stimmungsmäßig könnte der Nacktscanner der Branche aus Tristesse und Misere führen. Arbeit soll doch auch Spaß machen.
Insbesondere in den Berliner Promi-Restaurants würde man sich über die Installation eines solchen Gerätes freuen. Welcher türkische Kellner wäre beispielsweise nicht spitz darauf, Claudia Roth endlich einmal nackt zu sehen. Das ist aber zugegebener Maßen, ein ehr zu vernachlässigendes Pro-Nacktscanner Argument.
Vergessen Sie jedoch bitte nicht, dass die Aktienkurse der Nacktscanner Industrie den Dax aus einem Tal der Tränen führen könnte, das Versprechen auf blühende Landschaften könnte endlich Realität werden.
Aber die penibel pc-orientierten Misanthropen und Anheizer der Neiddebatte werden all diese rosigen Aussichten zu verhindern wissen. Es macht wirklich keinen Spaß mehr, in einem Land zu leben, in dem jeder technische Fortschritt sogleich in einem kakophonen Chor der Entrüstung untergeht. Auf die Gefahr hin, mit Petunientöpfen beworfen zu werden, bekenne ich mich jedoch unverdrossen zum technischen Fortschritt! Ich würde es beispielsweise sehr begrüßen, über einen Farbdrucker zu verfügen, der problemlos 50 € Scheine kopiert, die selbst Peer Steinbrück nicht vom Original unterscheiden könnte. Eine Tarnkappe für Automobile im Halteverbot fände ich auch nicht schlecht! Genmanipulierte Wildkräuter die endlich mal nach was schmecken!! Erst recht hätte ich nichts gegen so hübsche Ausrüstungsgegenstände wie den „Teleporter“ des Arthur Dent, dem Helden aus „per Anhalter durch die Galaxis“ inklusive seines phänomenalen Fluggeräts, der „Herz aus Gold“ einzuwenden. Da würde ich zu zu gerne einsteigen. Das ist mir dann schnurz-piepenhagen, ob ich vor dem Einstieg noch durch einen Nacktscanner muss oder nicht.
Adieu
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