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 Ralf Hiener & Olaf Schnelle

Kolumne - Empfehlungen

Wenn sie gedacht haben, es kommen nun Ratschläge wo man riesige Portionen für kleines Geld erhaschen kann, kann ich nur sagen, weit gefehlt!

Ein paar Bücher möchte ich Ihnen ans Herz legen. Allen voran Anthony Bourdains "Geständnisse eines Küchenchefs". Leider wird das Buch unter dem völlig falschen Kontext vermarktet, daß es sich um die Aufdeckung skandalöser, unappetitlicher Küchenpraktiken handelt. Der Untertitel des Buches "was Sie noch nie über Restaurants wissen wollten" geht noch mehr an der Sache vorbei, als der als "Geständnis" bezeichnete Titel selbst. Es ist eine Liebeserklärung! Eine Liebeserklärung an die Küche, den Beruf des Kochs und der sehr speziellen Spezies zwischen dem Edelstahlmobiliar. Spätestens wenn der Autor Veganer auf eine Stufe mit der Hisbollah stellt, wird jedem Küchenchef ohne Stirnband erkennen, "er ist einer von uns". Das Buch macht dem Außenstehenden deutlich, warum er immer Außenstehender bleiben wird und warum die Träume der 68er Studienrätinnen mit "Feinschmecker-Abo" vom "eigenen süßen kleinen Restaurant" genauso ein Mumpitz ist, wie alle anderen 68er Träumereien auch. Es wird klar, warum die "Tütenköche" die "richtigen Köche" hassen. Weil sie eben, anstatt auf einem Hochseil ohne Netz zu tanzen, in ihrer Plumpsküche immer nur ein wenig auf dem Trampolin hüpfen. Und jedesmal wenn sie dabei in ihren kleistrigen Mondaminsoßentopf fallen, wissen, daß sie ein Weichei sind. So etwas nimmt man natürlich übel. Wohl denen, die blöd genug sind, nicht einmal das zu merken. Tütenköchen ist das Buch nicht zu empfehlen.

Bourdain schreibt allerdings über amerikanische Küchen und amerikanische "Küchenschaben", daher ist nicht alles adaptierbar, aber der rechte Chorgeist scheint globaler Natur zu sein.

Reflektiert Bourdains Buch eher die Niederungen der zweiten Reihe, was sowohl die Klasse der Restaurants wie den Rang der Akteure betrifft, so beschäftigt sich Karl Heinz Götzes "Les Chefs" mit der Creme de la Creme der weißen Gilde. Es ist ein Buch über jene, um die Bourdain einen großen Bogen macht. Das Buch behandelt die großen Küchenchefs Frankreichs von Escoffier bis Veyrat. Krönung des Buches ist das Kapitel über die bizarre Welt des Paul Bocuse. Seltensojelacht! Beiden Büchern gemein ist die wilde Ansammlung unterschiedlichster Charaktere, denen anscheinend jede Gemeinsamkeit fehlt. Aber so ist das nun mal, man erkennt seine Schweine am Gang.

Joseph Wechsbergs "Forelle blau und schwarze Trüffel" ist hingegen eine Zeitreise. Ein Connaisseur alter Schule beschreibt liebevoll die großen Chefs und Restaurants seiner Zeit, das heißt insbesondere den Abschnitt zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg. Eine Zeit in der der anekdotenspendende Fernand Point die Anmeldung seines Stammgastes Aga Khan mit "mon dieu kommt" anzukündigen pflegte. Fernand Point, gewichtiger Urvater dessen, was wir heute Gastronomie nennen, dem erspart blieb Veganer und die Hisbollah kennenzulernen, ist eine zentrale Figur dieser ungemein humorvollen beschriebenen Lebensgeschichte. Der Autor selbst bezeichnet sie als Wanderungen eines Gourmets. Das Buch sei insbesondere professionellen Testern ans Herz gelegt.

Abschließend noch Cotta´s kulinarischer Almanach, herausgegeben von Vincent Klink. Schon das achte Jahrbuch, noch immer in feinster Ausstattung und die vielen kleinen Beiträge sind das rechte Maß für Badewanne oder Liegestuhl. Man erfährt von so interessanten Dingen wie einer Pizza Namens Sophia Loren, die durch ein Spiegelei gekrönt wurde, wie "guten Appetit" auf Kisuaheli und anderen Umgangssprachen heißt und niemand zwingt einen ja, den Beitrag von Helmut Karazek zu lesen. Den von Bernd Matthies sollten Sie aber unbedingt lesen!

Nachdem Sie nun mit ausreichendem Lesestoff versorgt sind, kann ich ja nun die Sprache damit rausrücken, daß aufgrund von Sparmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Finanzdesaster der Kirchgruppe das Erscheinen dieser Kolumne von "periodisch" auf "Bedarf" und "Gusto" umgestellt wird. Auch Ali kann mich nicht mehr "schreibtechnisch" unterstützen. Er ist jetzt Muezzin in Güstrow geworden und hat außerdem gute Chancen dort demnächst auch noch Bürgermeister zu werden. Das wäre schön, dann hätte ich vielleicht endlich mal die Gelegenheit mir auch einmal für einen Regionalpolitiker die Finger zu verbrennen und nicht immer nur für Ministerpräsidenten.

 

Herr Laumen



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