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 Ralf Hiener & Olaf Schnelle

Kolumne - Melannogsammus arglefinus mit Senfsauce..

so titelte man unlängst im Magazin des "Fress carriers" Rungis Express einen Artikel über den neuesten Ausbund EG europäischer und bundesdeutscher Regulierwut. Nun soll jeder einzelne Fisch mit Namen, Fanggebiet und Produktionsmethode! gekennzeichnet werden. Dabei interessiert 99% der geneigten Kundschaft eigentlich nur, ob das Tierchen Gräten hat oder nicht.

Szenenwechsel: zwei missmutig dreinschauende Aufsichtsbeamtinnen mit ausgeprägtem Fettsteiß und Wappen einer mittelgroßen mitteldeutschen Stadt am grauen Anorak und dem dienstlichem Auftrag zum Übelnehmen entdecken die unvorschriftsmäßige Anordnung von Wurstscheiben in einer Metzgerei. Anstatt vor Scham in den Boden zu versinken, lassen sie sich bei ihrer unseeligen Abmeierung einer ratlos verblüfften Fleischwarenfachverkäuferin auch noch vom Fernsehen ablichten. Was hat es den Staat anzugehen, wie Metzger Schulz seine Wurst präsentiert?

Warum jagt in einem Land mit vorgeschriebenem Krümmungswinkel von Banane und Gurke ein Lebensmittelskandal den nächsten? Wozu brauchen wir eine europäische Herstellungsvorschrift für Karamellbonbons, welche die amerikanische Verfassung im Umfang um ein mehrfaches übertrifft. Warum rücken die europäischen Käsefreunde nicht zusammen und ertränken diejenigen Parlamentarier in einem riesigen Bottich mit ekelig süßlichem Danone Plastik-Jogurt, die aus hygienischen Gründen Rohmilchkäse verbieten lassen wollten?

Ist unsere Untertanenmentalität wirklich schon soweit fortgeschritten, daß wir uns von einer parasitären Hydra von Beamten, Funktionären und Politikern nicht nur ungestört ausrauben lassen, sondern dabei zusehen, wie jegliche Kreativität und Arbeitsfreude systematisch von Bedenkenträgern erstickt wird. Der Mittelstand, zudem das Gros der Gastronomen gehört, funktioniert nur noch auf der Basis der Selbstausbeutung oder resignativen Fügung in eine perspektivenlose Zukunft eines Standes, der einmal die Stütze der deutschen Wirtschaft war. Heute ist man nicht einmal in der Lage, sich in den Parteien als Gruppierung Gehör zu verschaffen. Das Sagen haben hirnschwache 68er, die sich nach ihrem Marsch durch die Institutionen in Ihrer rigiden Bevormundungsmentalität kaum von braunen und roten Kohorten unterscheiden. Aber in einer Medienlandschaft, in der ein geläuterter Joschka Fischer den Platz Sorayahs als Liebling der Nation eingenommen hat, braucht einen nichts mehr zu verwundern.

Wer das Geschwafel vom bevorstehenden Aufschwung hört, dem kann nur die Galle hochkommen. Wie soll der auch entstehen, wenn die Banken nichts (mittelständisches) mehr finanzieren und sich, nachdem Sie jahrzehntelang prächtig vom Privileg der Verteilung frischen Geldes gelebt haben, sich nun lieber auf mannarmes Zocken verlegen möchten. Auch hier guckt der Staat, der ja eigentlich zum Wohle des Gemeinwesens existiert, kommentar- und tatenlos zu, obwohl er massiv eingreifen könnte.

Das dies alles nicht gut gehen kann, läßt sich tagtäglich an den Ergebnissen globaler Raub- und Beutezüge ablesen. Wie heißt es so schön: Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anders.

In Foren, wie der Mitteltaler Tafelrunde, wird ernsthaft darüber diskutiert, ob Selbstbedienung auf "Ein Sterne Niveau" nicht probates Mittel der Kostensenkung wäre, da das eigentlich notwendige Preisniveau nicht mehr erzielt werden kann. Warum nicht gleich zu McDonalds, das reicht nach Ansicht von Herrn Tritin für den Bürgerpöbel ohnehin. Jetzt spielen wir auch noch die vorgegebenen Notenblättchen brav nach.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls guten Appetit zu Melannogsammus arglefinus mit Senfsauce, falls Sie ihn sich noch leisten können.

 

Herr Laumen



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