Diese Art der Eskalation hätte ich mir bis dahin nicht vorstellen können. Kübelböck, den ich in meiner Kolumne lieber nie mehr erwähnt hätte, hat mich dank Jolande M., der bereits erwähnten Pressesprecherin Kübelböcks und eines gewissen Cram, er ist so eine Art "Loge" des Internets, in persona ereilt. Kübelböcks Karriere im Münchener Lenbach war, wen wundert´s, natürlich nur von kurzer Dauer. Seine merkwürdige Idee, Deutschlands erste FKK Küche dort zu etablieren fand nicht die ungeteilte Zustimmung der Küchenbrigade. Er hatte bereits ein Abrisskommando zwecks Entfernung des die Sicht hemmenden Mauerwerks zwischen Gastraum und Küche bestellt und damit begonnen, die Küchencrew nach in diesem Metier unüblichen Kriterien neu zu ordnen. Dazu später. In einem Gemeinwesen wie München, dem selbst bei einer Einwohnerzahl von 12,5 Millionen Menschen noch das Odium des provinziellen anhaften würde, spricht sich so etwas natürlich schnell herum. Die besondere Spezialität unserer bajuwarischen Volksgenossen ist das Missverständnis. Dieser schönen Tradition folgend, brachen die Sonnenanbeter der Isar-Auen zur abendlichen Vesper ins Lenbach auf, ohne daß es hierbei zu einer dem Anlass angemessenen Veränderung in punkto Outfit gekommen wäre. Außer ein paar pubertierenden Azubis konnte sich über diesen unerwarteten Andrang nackter Menschen niemand so recht erfreuen. Selbst Kübelböck war überrascht, dachte er doch eher an die Entkleidung der Küchenbrigade , die er unter diesem Aspekt bereits konsequent umzustellen begonnnen hatte. Erwähnt sei ein 220 kg schwerer Sumo Ringer auf dem Fischposten (erwürgte Fische an Wasabi mit Passe Pierre Espuma ) ein halbes Dutzend Puhl-Pinos dreierlei Geschlechts, und der Zwillingsbruder von Roy und Bert, der sich sowohl in Paul Bocuse, Margret Thatcher sowie in einen gegrillten Hamster verwandeln konnte, natürlich alles nackt. Dagegen hätte sich die lächerliche Entenshow des Herrn Wodarz natürlich wie ein Kasperltheater ausgenommen. Der bereits vorprogrammierte Eklat wurde aber nicht durch die das Lokal bevölkernden Nackerten, die übrigens alle etwas Kaltes essen wollten, ausgelöst, sondern durch Kübelböck`s neuste Kreation: "Das Beste vom Batteriehuhn". Auf dem Teller lag nichts! Niemand hätte einer Dumpfbacke wie Kübelböck derart feinsinnigen Humor zugetraut. Leider zählt auch feinsinniger Humor nicht zum Repertoire nackter Bajuwaren, was Kübelböck und die Besitzer des Etablissements im Laufe des Abends noch zu spüren bekommen sollten. Die aufgebrachte, nach "Hend´l" schreiende Meute erledigte im Zuge fortschreitender Eskalation den wesentlichen Teil der geplanten Abbrucharbeiten zwar kostenlos, aber auch darüber konnte sich niemand so recht freuen.
Der eingangs erwähnte Cram, ein in verschiedenen Internet Foren auffällig gewordener Provo mit Hang zur Legasthenie, hatte Jolande den Floh ins Ohr gesetzt, das er einen Koch kenne, der sich nicht nur über Kübelböck lobend!? ausgelassen hätte (gemeint war der Beitrag DC Kötzi), sondern auch noch über einen Mitarbeiter verfügt, der für die von Jolande M. zu organisierende Show "Deutschland sucht den Suppen-Star", an der Seite Kübelböcks der perfekte Kandidat wäre. Gemeint war Ali, der anatolische Tausendsassa unserer Küchenbrigade. Jolande, die toughe Medienberaterin, passte dann nur noch einen Moment ab, wo Sie, Kübelböck im Schlepptau, Ali beim Strafschruppen allein antraf, um den Lurch listig und angeblich verabredungsgemäß zwecks Küchenvolontariat abzuladen. Alis Worte." Da wird sich de Seffe abe`freue" erwies sich als Propheterie biblischer Dimension. Jolande verschwand dann mit dem zwischenzeitlich ebenfalls arbeitslosen Sumo Ringer und dem Versprechen, den ihrem Schutz anbefohlenen Nasenbohrer in einem Monat wieder abzuholen. Ihre Bemerkung, dass Sie erwarte, dass Kübelböck dann mindestens genau so gut kochen könne wie Alfred Biolek, lässt erahnen, wie weit der kulturelle und sittliche Verfall unserer Gesellschaft bereits fortgeschritten ist. Die Honorierung des Vorhabens blieb bezeichnenderweise unerwähnt! Perfiderweise hatte man Kübelböck seiner Brieftasche, all seiner Papiere und, besonders verwerflich, seines Handys beraubt. Er war mithin hilflos und was schlimmer war, es war niemand ausfindig zu machen, den man für eine humane Entsorgung hätte missbrauchen können. Die sofort eingeleiteten Planungsalternativen, wurde vom überwiegenden Teil der weiblichen Belegschaftsmitglieder als zu grob abgelehnt. Die Küche zerfiel zusehens in eben diese von warmen Mutterinstinkten geleitete Gluckenfraktion und eine Gruppe um meinen Souschef (ein ansonsten eher sanftes Naturell), die sich offensichtlich dem Erbe Dschingis Khans und den seinerzeit mit dem Feind gepflegten Umgangsformen verpflichtet fühlte. Der Betriebsfriede war ernsthaft in Gefahr! Die Rettung kam dann überraschend in Form einer wandelnden, permanent grinsenden Herrentorte, die sich bei näherem Hinsehen als Herr L. aus Ö. entpuppte. Er hatte von der ganzen Angelegenheit Wind bekommen und der schlimme Alp, dass eine Fernsehsendung ohne ihn stattfinden könnte, trieb Ihn und seinen Hubschrauber ins Mecklenburgische, um Kübelböck aus den Klauen eines vermeintlichen DDR Kochs zu befreien. Kübelböck wand sich behände aus der Topfspüle, in die er gerade von einigen Azubis versenkt worden war und hastete mit L., der im Laufen schnell noch versuchte ein paar Stabmixer an verblüfft umherstehende Hausgäste zu verhökern, zum Hubschrauber. Ali ergatterte mit kühnem Hechtsprung den letzten freien Platz in L.s Flugmaschine. An Bord verwarf man, im wahrsten Sinne des Wortes, jedoch Alis Teilnahme zur Wahl des Suppen-Stars. Und zwar mittels einer durch freien Fall eingeleiteten Punktlandung im Krakower See, die ihn nach Ansicht aller anwesenden Zuschauer wenigstens zur Teilnahme der nächsten "Wetten dass" Sendung prädestiniert. Die Hoffnung der Küchencrew, die dem Ganzen von den Gestaden unseres idyllischen Gewässers aus interessiert zuschaute, dass Ali nicht schwimmen kann, erfüllte sich übrigens auch nicht. Anstatt "Born to be wild", singt er nun wieder melancholische Hirtenlieder seiner anatolischen Heimat. Wir sind alle unentschlossen, ob wir uns darüber wirklich freuen sollen und fragen uns, wer mehr Glück gehabt hat, Ali oder das deutsche TV Publikum?! Alle warteten nun gespannt auf Jolandes Rückkehr und Ihre Reaktion auf Kübelböcks Kidnapping. Ich rechnete damit, dass sie uns sagen würde, dass sie von uns Ossis sowieso nichts anderes erwartet hat. Ich wurde nicht enttäuscht, genau so kam es, nur etwas unfreundlicher. (Im Fond des Wagens saß übrigens Cram neben dem finster dreinschauenden Sumo Ringer und man konnte Crams Mine nicht entnehmen, ob seine Anwesenheit freiwilliger Natur war. Watching TV! So was kommt von so was!!)
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