Der Mai und seine Geschmacksgaben.

Es ist erst wenige Jahrzehnte her, da die Jahreszeiten sich nicht nur am Himmel und an der Baumbelaubung zu erkennen gaben, sondern auch auf dem Teller. Der Mai bot geschmackliche Höhepunkte – schon allein dadurch, dass die damals so wichtige Milch von Kühen ermolken wurde, die sich auf den zu dieser Jahreszeit reich bekräuterten Weiden nährten. (Wer übrigens jemals den Weideauftrieb einer Herde beobachtet hat, die nach winterlicher Stallhaltung mit Freudensprüngen ihre Weidegründe wieder in Besitz nimmt, dem schwant, dass der Geschmack der Milch nun auch von der Lebensfreude ihrer Spenderinnen befördert wird.)

In der Milchwirtschaft, aber nicht nur dort, ist längst der ewige Winter ausgebrochen. Vor allem drei Faktoren sorgen dafür, dass die heutigen Lebensmittel im allgemeinen und die Milchprodukte im speziellen jeglichen Kontakt sowohl zu den Landschaften ihrer Gewinnung als auch zu den Jahreszeiten ihrer Erzeugung völlig verloren haben:

  1. Auf der bäuerlichen Seite ist es die zur Regel gewordene ganzjährige Stallhaltung, die Durchfütterung mit Silage (vergorenem Gras) und Kraftfutter, wodurch die tägliche Kalorienzufuhr – und damit auch die Milchleistung – zwar verfünffacht, die so erbeuteten 50 Liter Milch pro Tag und Kuh aber auch merklich „dünner“ wurden.
  2. In den raffinerieähnlichen Molkereien liegt es am Verzicht auf eine echte Rahmsäuerung („mildgesäuert“ bedeutet, dass Milchsäurebakterien erst nach der Reifung der Butter zugesetzt werden), an den langen Vor- und Nachkühlketten sowie an Zentrifugal- und Mikrofiltrationstechniken.
  3. Der Handel schließlich drückt mit seinem Verlangen nach niedrigen Preisen, längerer Haltbarkeit und ganzjährigem Gleichgeschmack originäre, handwerklich saubere Produkte aus dem Programm.

Wir stiften diese Zusammenhänge mit unseren saisonalen Frischeaktionen neu – zum Beispiel mit echter Maimilch und -butter aus Holstein, der ehemals wichtigsten Butterlandschaft Deutschlands. Dort erzeugt die Meierei Geestfrisch eine Auswahl an Molkereiprodukten, die, wenn auch in unterschiedlichem Maße, einen deutlichen Abstand zu den heutigen, im Wortsinne „abgeschmackten“ Großmolkereiprodukten gleichen Namens halten: Vollmilch, Butter, Quark, Joghurt, Buttermilch und Weidekäse – allesamt vollständig aus Maimilch von der eigenen Herde (Rotbunte Niederungsrinder) hergestellt, die im April auf die Weide getrieben wurde.

Hofladen der Meierei Geestfrisch mit den Geschwistern Sierck.
Weideauftrieb Anfang April 2025.