Zurück in die Zukunft:
Pferdekraft in der Landwirtschaft.

Das Erdölzeitalter geht unweigerlich seinem Ende entgegen, das nämlich spätestens dann eintritt, wenn der energetische Aufwand (gemessen in Wattstunden) zur Erschließung, Förderung, Aufbereitung und Verteilung fossiler Energierohstoffe den daraus zu hebenden Ertrag an Nutzenergie (ebenfalls in Wattstunden) übersteigt. Dieser epochale Scheidepunkt nähert sich mit mathematischer Unausweichlichkeit und atemberaubender Geschwindigkeit. Das allein sollte Anlass genug sein, um zumindest in der Sphäre des Lebensnotwendigen, also zuerst in der der Landwirtschaft, die immense Abhängigkeit von fraglich werdenden fossilenergetischen Zuströmen zu verringern. Das sind – keine Frage – Schritte zurück, die aber kurz vor dem Ende einer Sackgasse zu einem Gebot der Klugheit werden.

Johannes Kayßer bei der Knoblauchernte mit den beiden Zugpferden Kema und Fritz.

Ein Gastbeitrag von Johannes Kayßer

Ökologische Landwirtschaft ist aus meiner Sicht mehr als der bloße Verzicht auf Pestizide und synthetische Düngemittel, mehr als eine langjährige Fruchtfolge. In sämtlichen Industrienationen wird fossile Energie von außen in Form von Treibstoffen für die Traktoren importiert. Das Erdöl fügt sich aber nicht in den Betriebskreislauf ein, sondern wird als Abgas in die Umwelt freigesetzt. Nicht nur im Falle eines Unfalls, sondern viel zu oft wird schon im Normalbetrieb wertvoller, fruchtbarer Ackerboden von Kraft- und synthetischen Schmierstoffen bzw. Hydraulikölen kontaminiert, was die mühsame Arbeit der Bodenverbesserung zunichtemacht.

Einsammeln von Knoblauchbündeln mit Pferd und Wagen.

Nachhaltige, enkeltaugliche, zukunftsfähige Landwirtschaft ist daher nicht mehr auf einen Energie-Import von außen angewiesen und unabhängiger von High-Tech-Produkten und globalen Lieferketten:

Zugpferde werden einmalig gekauft, und die Stuten können sich, vorausgesetzt ein Hengst ist zur rechten Zeit anwesend, reproduzieren. Die Geräte können lokal hergestellt und auf dem Hof repariert werden. Die Pferde konsumieren nur erneuerbare, nachwachsende Energien, anstatt endliches, immer teurer werdendes Erdöl zu verbrennen: Gras bzw. Heu, das auf dem Betrieb durch die Sonne wächst. Kraftfutter kann Getreide, zum Beispiel Hafer sein, oder auch Klee-Luzerne-Heu, ebenso auf dem Betrieb erzeugt. Die Pferde hinterlassen wertvollen Mist als Dünger, anstatt giftige Abgase zu produzieren.

Es fließt kein Geld mehr nach außen um Treibstoff zu kaufen, sondern verbleibt im Betrieb. Der Verkauf ausgebildeter Arbeitspferde aus eigener Zucht könnte langfristig ein Betriebszweig werden und zum Betriebseinkommen beitragen.

Mit den Zugpferden erzeugte ökologische Nahrungsmittel sind so natürlich und rückstandsfrei wie nur irgend möglich; es sind wahre Lebensmittel.

Da sie auf Hufen laufen, verursachen Equiden weniger Bodenverdichtung als Traktoren. Die zunehmende Bodenverdichtung ist eine große Gefahr, denn größere Verdichtung ruft nicht nur geringere Erträge hervor, sondern zerstört auch das natürliche Bodengefüge und mindert das Absorptionsvermögen, was bei Starkregen zu Überflutungen und Erosion, dem Abschwemmen wertvoller Ackererde, führt. Den Kulturpflanzen steht dieses Wasser nicht zur Verfügung, weil es nicht tief in den Boden einsickern kann, sondern oberirdisch abfließt. Die Selbstheilungskräfte des Bodens lassen dann unerwünschte Beikräuter wachsen, um die Verdichtung aufzubrechen. Diese stören jedoch den Bauern, er versucht sie aufwendig zu bekämpfen. Ein Teufelskreis beginnt.

Arbeitende Pferde sind leiser als Traktoren. Außerdem ist man näher am Boden, kann dessen Zustand besser beurteilen und einschätzen. Nicht zuletzt macht mir das Fahren der Pferde Spaß, erfüllt mich mit Freude, denn man kommuniziert mit einem lebendigen, intelligenten Tier, anstatt auf einer Maschine zu sitzen.

Auch bei der Kartoffelernte kommen die Kaltblüter zum Einsatz.

Natürliche Pferdestärken: Keine Vergangenheits-Nostalgie, sondern ein Zukunftsmodell.

Mit Zugpferden in der Landwirtschaft arbeiten ist also nicht rückwärtsgewandtes Bewahren-Wollen der sogenannten guten alten Zeit, sondern ganz im Gegenteil moderne Landwirtschaft. Eine Landwirtschaft im Einklang mit uns Menschen und unseren Mitgeschöpfen, ausgerichtet an unseren Bedürfnissen und den planetaren Grenzen.


Johannes Kayßer betreibt den Tannenhof im waldhessischen Imshausen. In unserer Hauspost vom August 2025 bieten wir frischen Knoblauch von seinem Hof an.

Zur Hauspost gelangen Sie hier.

Johannes Kayßer betreibt den Tannenhof im waldhessischen Imshausen. In unserer Hauspost vom August 2025 bieten wir frischen Knoblauch von seinem Hof an.

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