Warum kein „Bio“-Fleisch?

Bio-Siegel sind für uns uninteressant, weil bei diesen zwar „Weidegang“ Voraussetzung ist, was aber nur heißt, dass die Tiere mal vor die Stalltür treten dürfen. Das ist eine freundliche Geste, aber die Weide ist eben nicht Futtergrundlage. In der Milchwirtschaft wäre das auch gar nicht möglich, denn moderne Hochleistungsrassen wie „Holstein Friesian“ oder „Red Holstein“ brauchen für ihre Leistung von 10.000 bis 15.000 Jahreslitern einen entsprechenden Input, der tagesfüllende Durchfütterung mit speziellen Kraftfuttermischungen bei ganzjähriger Stallhaltung unabdingbar macht. Alte Zweinutzungsrassen erzielen zwar keine derartigen Spitzenwerte, begnügen sich dafür aber auch mit dem, was die Weide hergibt.

Schwarzbuntes Niederungsrinder auf den Flächen von Gut Manhagen.

In der Fleischindustrie gilt selbstverständlich dasselbe: Für die moderne Turbomast ist selbst die fetteste Weide zu mager, um den enormen Kalorienbedarf der Tiere zu decken. Hinter dem Bio-Zertifikat verbirgt sich denn auch hier meist Stallhaltung mit etwas mehr Platz und symbolischem Auslauf. In der Schweinehaltung zum Beispiel liegt zwischen den gesetzlichen Mindestanforderungen (Haltungsform 1) und jenen für das EU-Bio-Siegel ein Unterschied von 0,55 m² Stallfläche und zusätzlich 1 m² Auslauf im Freien pro Tier. Diese Differenz mag in der Realität der Massenproduktion ein Gewinn sein; an unserer Praxis läuft dieser Kampf um Zentimeter jedoch meilenweit vorbei. Weidehaltung ist für uns eine Fütterungsstrategie, das Tierwohl dann einfach inklusive.