Essbarelandschaften Essbarelandschaften

Die Höhen über dem Emmental.

Unter Liebhabern der großen Schweizer Käse (Emmentaler, Appenzeller, Greyerzer) hält sich hartnäckig das Gerücht, die Schweizer behielten die besten Käse für sich und würden sie niemals ins Ausland verkaufen. Aber das Ausland (in Gestalt seiner Lebensmittelhändler) könnte mit diesen Käsen auch gar nichts anfangen, denn sie erfüllen wie alle charaktervollen Lebensmittel die Grundanforderungen des Handels nicht, nämlich „immer verfügbar“ und „allzeit gleichschmeckend“ zu sein.

Das trifft bei Emmentaler nur auf die Produkte der großen Talmeiereien zu, die – keineswegs nur im Emmental, sondern in fast allen Kantonen des Landes – 15.000 Tonnen „Emmentaler“ jährlich produzieren, den weitaus größten Teil davon für den Export. Auch das ist, völlig unbestritten, ein achtbarer Käse, aus Rohmilch von Kühen gemacht, die ohne Silage, also nur mit Gras und Heu gefüttert wurden, und vier Monate gereift. Er ist aber nicht vergleichbar mit diesem „Echten Emmentaler“, den wir aus dem Zentrum des Emmentals, aus Trubschachen bei Langnau herbeigeschafft haben. Neben den vielen molkereitechnischen Unterschieden (Alpmeierei versus Großmeierei) liegt die wesentliche Differenz darin, daß es wirklich örtliche, also „Emmentaler“ Käsekulturen sind, die die Milch zum Bruche reifen lassen.

Diese sogenannten Fettsirten-Kulturen bilden sich auf der Grundlage der Molke, aber unter dem Einfluß nicht nur des örtlichen Kleinklimas, sondern auch des Grasaufwuchses der Alpweiden und der in der Meierei verbauten Holzarten. Sie verstetigen gewissermaßen den einzigartigen Geschmack der Region und prägen jeden Käselaib mit dem für das Emmental typischen Aroma. Die großen Produzenten hingegen verwenden – im Dienste des Gleichgeschmacks – industriell vorgefertigte Starterkulturen, die einem „Großen Käse“ vorenthalten, was ihn eigentlich erst ausmacht: Terroir oder die Landschaft als Gaumenfreude.


Ehemals ein Hochgenuß. Das Bündner-Fleisch. Hier kommt der Genuß zurück.


*„Slow Food Presidio“ ist eine Initiative der Slow Food Stiftung, die konkrete Beispiele einer traditionellen Landwirtschaft auszeichnet. Die Kriterien für die Vergabe des Siegels sind streng: „Slow Food Presidio“-Produkte müssen regional erzeugt und traditionell verarbeitet sein. Sie dienen dem Erhalt der biologischen Vielfalt, lokaler Wertschöpfungsketten und einzigartiger Kulturlandschaften. Presidio – das Wort stammt aus dem Italienischen und bedeutet „Schutzraum“. Diese Bezeichnung ist in doppelter Hinsicht treffend: Presidio-Produkte schützen traditionelle Pflanzensorten, Tierrassen und das Wissen um ihre Verarbeitung. Gleichzeitig sind sie besonders schützenswert, weil sie die kulturelle Identität ihrer Ursprungsregion – auch geschmacklich – bewahren.

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